Saidaiji Eyō: Was hinter Japans berühmtem Nacktfest steckt

Saidaiji Eyō erklärt: buddhistische Gebete, Shingi, Fundoshi und Wasserreinigung. Mit Geschichte, Ablauf und aktuellem Stand für 2027.

Tadaitshi Eitaro und Patrick Begert

10/4/202610 min lesen

Crowd of men in loincloths competing for a sacred wooden stick at the Hadaka Matsuri festival in a Japanese temple.
Crowd of men in loincloths competing for a sacred wooden stick at the Hadaka Matsuri festival in a Japanese temple.

Saidaiji Eyō: Was hinter Japans berühmtem Nacktfest steckt

Tausende Männer in weißen Lendenschurzen, kaltes Wasser und ein dicht gedrängter Tempelhof: Diese Bilder haben Saidaiji Eyō außerhalb Japans bekannt gemacht. Sie zeigen allerdings nur einen Ausschnitt. Saidaiji Eyō 西大寺会陽 ist eine religiöse Jahresanfangszeremonie am Saidaiji Kannon-in in Okayama. Im Zentrum stehen der erbetene Segen und zwei rituell vorbereitete Holzamulette, die Shingi 宝木. Ihr umkämpfter Empfang schließt eine vierzehntägige buddhistische Gebetsfolge ab. [1]

Die Bezeichnung „Nacktfest“ beschreibt das auffällige Erscheinungsbild, lässt diesen Zusammenhang aber leicht verschwinden. Für einen genaueren Blick auf japanische Kultur, Traditionen und Glaube lohnt es sich, beim Tempel, seinen Gebeten und den kleinen Gegenständen anzusetzen, um die sich die große Menschenmenge bewegt.

Hinweis zur aktuellen Durchführung: Nach den tödlichen Unfällen beim Fest 2026 wird der Ablauf für 2027 neu beraten. Ein Bericht vom 30. September 2026 nennt die vorgesehene Aussetzung des Shingi-Wettkampfs; die endgültige Entscheidung stand darin noch aus. Die folgende Beschreibung erklärt daher die überlieferte Form und ist keine Ankündigung eines unveränderten Programms für 2027. [13]

Was ist Saidaiji Eyō – und was bedeutet „Nacktfest“?

Saidaiji Eyō wird auch als Saidaiji Hadaka Matsuri bezeichnet. Hadaka 裸 bedeutet „nackt“, matsuri 祭り „Fest“. Die Männer sind jedoch nicht vollständig unbekleidet: Sie tragen weiße Fundoshi 褌, also Lendenschurze, im Festkontext auch mawashi genannt, und weiße Tabi. Die Kleidung ist Teil der festgelegten Teilnahmeform. Sie sollte nicht mit einer Verkleidung für ein beliebiges Straßenfest verwechselt werden. [2]

Auch „Eyō“ ist erklärungsbedürftig. Die Schreibweise 会陽 wird häufig mit dem nahenden Frühling nach dem schwierigen Winter verbunden. Die staatliche Kulturgüterbeschreibung nennt daneben eine Herleitung aus einem historischen Ruf und hält die Etymologie ausdrücklich für nicht abschließend geklärt. Eine schöne Erklärung ist deshalb noch keine gesicherte Wortgeschichte. [3]

Und nicht jedes japanische Hadaka Matsuri ist Saidaiji Eyō. Der Ausdruck benennt verschiedene örtliche Feste mit reduzierter ritueller Bekleidung. Ihre Gottheiten, Gegenstände und Abläufe können sich erheblich unterscheiden. Eyō-Rituale besitzen insbesondere im Raum Okayama und in Teilen Kagawas eine eigene regionale Geschichte. [4]

Der richtige Ort: Saidaiji Kannon-in in Okayama

Das Fest findet am Kinryōzan Saidaiji Kannon-in 金陵山西大寺観音院 im Osten der Stadt Okayama statt. Der Tempel gehört zur Kōyasan-Shingon-Tradition. Seine zentrale Verehrung gilt Senju Kannon, der tausendarmigen Erscheinungsform des Bodhisattva Kannon. [5]

Bei der Recherche ist eine Verwechslung leicht möglich: In Nara gibt es ebenfalls einen bedeutenden Saidaiji. Dieser gehört zur Shingon-Ritsu-Tradition und ist unter anderem für große Teeschalen beim Ō-chamori bekannt. Das berühmte Eyō mit dem Ringen um Shingi gehört nach Okayama. Ortsname und Tempelbezeichnung sollten deshalb immer gemeinsam genannt werden. [6]

Dass Saidaiji ein buddhistischer Tempel ist, erklärt den Aufbau des Festes. Wer mit der Unterscheidung noch nicht vertraut ist, findet im Beitrag über Tempel und Schreine in Japan die Grundlagen. Zugleich gibt es am Saidaiji Schutzgestalten in der Form eines Gongen: buddhistische und kami-bezogene Vorstellungen sind hier historisch miteinander verbunden. Der Tempel beschreibt die örtliche Schutzgestalt Gōōsho Daigongen in Beziehung zu den fünf großen Myōō. Wasserreinigung allein macht eine Handlung daher nicht automatisch zu einem ausschließlich shintōistischen Ritual. [7]

Shushō-e: Die Gebete vor dem Gedränge

Den liturgischen Rahmen bildet die Shushō-e 修正会, eine buddhistische Gebetszeremonie zum Jahresanfang. Am Saidaiji wird sie über vierzehn Tage vollzogen. Gebetet wird unter anderem für Frieden, Wohlergehen und gute Ernten. Das Eyō bildet den Abschluss, den kechigan 結願, dieser Gebetsfolge. [1]

Das erklärt auch eine scheinbare Unstimmigkeit: Warum findet ein Neujahrsritual im Februar statt? Früher orientierte sich das Fest am alten Kalender und dem Abschluss der Gebete am vierzehnten Tag des ersten Monats. Seit 1962 gilt als regulärer Termin der dritte Samstag im Februar. Kalender und öffentliche Organisation haben sich verändert, während der Bezug zum Jahresbeginn erhalten blieb. [8]

Für 2026 veröffentlichte der Tempel beispielsweise den 8. bis 21. Februar als Zeitraum der Shushō-e. Die Gebete waren also schon lange im Gang, bevor die Bilder der Menschenmenge entstanden. [9]

Der Blick auf die Gebetsfolge verhindert zugleich, buddhistische Praxis auf stille Meditation oder Bestattungsrituale zu reduzieren. Jahreszeiten, Schutzgebete und gemeinschaftliche Anlässe gehören ebenfalls dazu. Wie unterschiedlich religiöse Handlungen je nach Schule gestaltet werden, lässt sich auch an der buddhistischen Gebetskette Juzu nachvollziehen.

Die Shingi: Holz und Papier bilden gemeinsam das Ritualobjekt

Die beiden Shingi 宝木 sind kleine, zylindrische Holzamulette. Die Schriftzeichen bedeuten ungefähr „Schatzholz“. Sie sind keine zufällig ausgewählten Stöcke: Materialgewinnung, Bearbeitung, Duftbehandlung und Gebete gehören zu ihrer Vorbereitung.

Das Holz wird geholt, nicht einfach gekauft

Vor der Gebetsperiode wird das Ausgangsholz beim nahe gelegenen Muryōju-in empfangen. Bei diesem shingi-tori zieht eine Gruppe nachts dorthin; der Tempel beschreibt für den Rückweg ein Schweigegebot. Anschließend werden die zwei Amulette in einer nichtöffentlichen Zeremonie geformt. [1]

Die nationale Kulturgüterbeschreibung nennt Kashi カシ, japanisches Eichenholz, als Ausgangsmaterial. Das aromatische Behandeln ist davon zu unterscheiden: „Duftendes Holz“ bedeutet hier nicht automatisch Agarholz oder Sandelholz. [3] Diese Unterscheidung ist auch beim Lesen über japanische Räucherstäbchen und Räucherkultur hilfreich: Baumart, Räucherstoff und ritueller Gebrauch sind verschiedene Ebenen.

Die Herstellung geschieht nach der Darstellung des Tempels an einem eigens eingerichteten Ritualplatz bei Aizen Myōō. Damit ist der handwerkliche Vorgang unmittelbar in einen religiösen Vollzug eingebunden. Ein sauber gedrechselter Nachbau wäre äußerlich ähnlich, besäße aber nicht dieselbe rituelle Herkunft. [10]

Warum das Papier nicht nebensächlich ist

Mit den Shingi verbunden sind die Gōō-Papiertalismanen 牛玉紙. Die örtliche Sammlung beschreibt gedruckte Zeichen für Gōō, Saidaiji und das Schatzsiegel. In der Ursprungserzählung stand gerade dieser Papier-Talisman im Mittelpunkt: Er wurde begehrt, beim Ringen beschädigt und schließlich mit einem widerstandsfähigeren Holzträger verbunden. [11]

Der Gegenstand ist deshalb nicht allein über seine Holzform zu verstehen. Das Holz gibt ihm Festigkeit und Handhabbarkeit; das Papier trägt die religiöse Zeichenordnung. Hinzu kommen Herstellung, Gebete und geregelte Weitergabe. Für den Blick auf japanische Materialkultur ist dieses Zusammenspiel aussagekräftiger als das Etikett „Glücksstab“.

Shingi und Kushigo sind verschiedene Gegenstände

Neben dem Hauptpaar gibt es Kushigo 串牛玉, kleinere Bündel von Holzstücken mit Gōō-Papier. Der Tempel spricht von hundert Bündeln. Sie verteilen den erbetenen Segen auf weitere Empfänger und sind nicht mit den zwei Shingi gleichzusetzen. [12]

Die Kulturgüterbeschreibung nennt für diese kleineren Bündel gespaltene Weidenzweige. Wer beide Gegenstandstypen zusammenwirft, macht deshalb schnell auch eine falsche Materialangabe. [3]

Seit wann gibt es Saidaiji Eyō?

Häufig wird 1510, das siebte Jahr der Eishō-Ära, als Ursprung genannt. Nach der Tempelüberlieferung gab der Mönch Chūa 忠阿 am Ende der Gebete Schutzamulette aus. Die Nachfrage stieg, sodass sie über die Köpfe der Versammelten hinweg verteilt wurden. Daraus soll sich allmählich das Ringen entwickelt haben. [8]

Das Datum sollte als Traditionsangabe gelesen werden. Die staatliche Beschreibung verweist auf schriftliche Darstellungen von 1661 und aus dem späten 17. Jahrhundert. Diese Belege bestätigen eine ältere Festgeschichte, beweisen aber nicht, dass der heutige Ablauf im Jahr 1510 bereits vollständig bestand. [3]

„Seit über fünfhundert Jahren“ ist daher eine verständliche Kurzform. Präziser ist: Saidaiji Eyō blickt auf eine überlieferte spätmittelalterliche Entstehung und eine über Jahrhunderte gewachsene Form zurück. Gebetsritual, öffentliche Verteilung und körperliches Ringen haben sich miteinander entwickelt.

Wie der überlieferte Festablauf zusammenhängt

Das bekannte Gedränge bildet den letzten Teil einer längeren Folge. Die Übersicht zeigt diese Reihenfolge, ohne einen kommenden Jahresplan vorwegzunehmen. [22]

PhaseHandlungFunktionVorbereitungsbeginnEröffnungsritual und Pflege der WerkzeugeVorbereitung von Menschen, Handwerk und ZeremonieEmpfang des HolzesNächtlicher Gang zum Muryōju-inRituelle Herkunft des MaterialsHerstellungFormen der beiden ShingiHerstellung der Amulette nach festgelegtem VerfahrenGebetsperiodeVierzehntägige Shushō-eGebete für Wohlergehen und gute ErntenFestabendWasserreinigung, Verehrung und gemeinschaftliche BewegungVorbereitung auf den EmpfangAbschluss und NachfeiernÜbergabe, Prüfung und weitere ZeremonienAnerkennung und Weitergabe des Segens

Wasserreinigung und Bewegung

Am koritoriba, dem Ort der Wasserreinigung, reinigen sich Teilnehmer mit kaltem Wasser. Diese mizugori 水垢離 ist Teil der rituellen Vorbereitung. Danach gehören Verehrung im Tempel und das gemeinsame Bewegen über das Gelände zum überlieferten Ablauf.

Dabei sollte man jioshi 地押し, die gemeinschaftliche Bewegung auf dem Gelände, vom hon-oshi 本押し auf dem großen Holzboden der Halle unterscheiden. Die Begriffe bezeichnen unterschiedliche Teile des Geschehens. Sie lassen erkennen, dass der Festabend nicht erst beim Abwurf der Amulette beginnt. [14]

Das Ringen in der Dunkelheit

In der zuletzt üblichen Form wurden die Shingi um 22 Uhr aus dem Gofuku-mado 御福窓 der Haupthalle in die Menschenmenge gegeben. Die Beleuchtung wurde für diesen Höhepunkt gelöscht. Männer beziehungsweise Gruppen versuchten, eines der beiden Amulette zu sichern und aus dem umkämpften Bereich zu bringen. [15]

Das Bild erinnert an andere Feste mit körperlicher Gemeinschaftsarbeit. Bei einem Mikoshi tragen Menschen gemeinsam einen Prozessionsschrein. Beim Eyō steht der Empfang und die Weitergabe der Shingi im Mittelpunkt. Eine ähnliche Menschenmenge bedeutet deshalb nicht, dass der religiöse Ablauf derselbe ist.

Fuku-otoko: Der Segen bleibt nicht beim Finder

Der erfolgreiche Empfänger wird Fuku-otoko 福男, „Glücksmann“, genannt. Doch ein kurzer Griff nach dem Holz genügt nicht. Nach dem überlieferten Verfahren muss das Amulett zur vorgesehenen Annahmestelle gebracht und geprüft werden.

Ein bemerkenswertes Detail ist die Echtheitskontrolle: Beim Herstellen bleiben Abschnitte des Ausgangsholzes erhalten. Sie werden später zum Vergleich herangezogen. So verbindet sich die religiöse Anerkennung mit einer überprüfbaren materiellen Herkunft. [14]

Außerdem unterscheiden sich Torinushi 取主, der Empfänger, und Iwainushi 祝主, der festliche beziehungsweise fördernde Träger der weiteren Verehrung. Das Holz wird in einer geregelten Zeremonie weitergegeben. Der Empfänger erhält dabei Gōō-Papier. [12]

Der Religions- und Körperkulturforscher Kunihiro Seto betrachtet das Eyō deshalb im Zusammenhang mit dem gofuku, dem erbetenen Segen, und der örtlichen Gemeinschaft. Die Ehrung eines Einzelnen erklärt das Fest nur teilweise. Bedeutung entsteht auch durch Vorbereitung, Hilfe, Verehrung und Weitergabe. [4]

Welche Rolle spielen Frauen, Kinder und die Nachfeiern?

Die überlieferte Shingi-Auseinandersetzung ist eine männliche Teilnahmeform. Daraus folgt jedoch nicht, dass Frauen im gesamten Festzusammenhang nur Zuschauerinnen wären. Der Tempel beschreibt von Frauen gespielte Eyō-Taiko und eigene Wasserreinigungen. [5]

Hinzu kommt das Yoi-matsuri, ein neueres Vorabendfest. Es wurde nach Angaben des Tempels 2016 begonnen und umfasst unter anderem ein Frauen vorbehaltenes Mochi-Ritual sowie die Bestimmung einer Fuku-onna, einer „Glücksfrau“. Das ist eine eigene Festform und nicht dieselbe Teilnahme wie am großen Shingi-Ringen. [16]

Auch für Grundschulkinder gibt es separate Veranstaltungen mit altersabhängigen Formen. Sie sollten nicht als verkleinertes Abbild des Erwachsenenablaufs verstanden werden. [15]

Die Festzeit endet zudem nicht mit dem berühmten Nachtbild. Ein anschauliches Beispiel ist Hōraishun 宝来春, eine Mahlzeit aus dem weiteren Eyō-Zusammenhang. Der Tempel beschreibt Zōni mit Mochi, Tofu und Kombu; zwei Mochi werden in zwei Schalen gereicht. So zeigt sich der Wunsch nach wiederholtem beziehungsweise sich mehrendem Segen in einem vergleichsweise stillen Ritual des Essens. [17]

Warum die Bezeichnung „Kuriositätenfest“ zu kurz greift

Saidaiji Eyō wird häufig unter den „großen ungewöhnlichen Festen Japans“ eingeordnet. Solche Aufzählungen machen eine Veranstaltung leicht erkennbar, erklären aber weder ihren Ursprung noch ihren religiösen Zusammenhang.

Ein ähnlicher Unterschied zwischen auffälligem Bild und genauer Einordnung zeigt sich beim Kanamara Matsuri in Kawasaki. Der Vergleich betrifft die öffentliche Wahrnehmung: Kanamara und Saidaiji besitzen unterschiedliche Institutionen und Ritualformen. Eine gemeinsame Kategorie „skurril“ ersetzt deren Geschichte nicht.

Seit dem 2. März 2016 ist Saidaiji no Eyō als bedeutendes immaterielles Volkskulturgut Japans ausgewiesen. Geschützt wird hier eine überlieferte Praxis mit ihrem örtlichen Zusammenhang, nicht allein ein spektakuläres Motiv. Diese nationale Ausweisung ist keine UNESCO-Eintragung. [18]

Heute: Sicherheit und die offene Durchführung 2027

Die körperliche Dichte des Shingi-Ringens ist ein reales Risiko. Auch die bisherigen Veranstalterhinweise benennen erhebliche Gefahren und betonen den religiösen Charakter der Veranstaltung. Alte Teilnahmebedingungen sind deshalb keine beiläufige Einladung zum Mitmachen. [19]

Beim Eyō am 21. Februar 2026 kam es zu schweren Unfällen. In einer Erklärung vom 17. März 2026 bestätigte der Tempel den Tod von zwei Teilnehmern und kündigte eine erneute Verpflichtung zur Sicherheit an. [20]

Am 30. September 2026 berichtete KSB unter Berufung auf Verantwortliche der veranstaltenden Fördervereinigung, dass die Planungen für 2027 auf einen Verzicht auf den Shingi-Wettkampf zuliefen. Als Grund wurde unter anderem genannt, dass Unfallverhütungsmaßnahmen noch nicht feststünden. Die endgültige Entscheidung und die Frage, welche anderen Zeremonien stattfinden, sollten weiter beraten werden. Stand dieses Artikels ist daher weder eine unveränderte Durchführung noch eine Absage des gesamten religiösen Festes abschließend bestätigt. [13]

Diese Unterscheidung ist wesentlich: Die Shushō-e, weitere Rituale und der körperliche Wettkampf sind eng verbunden, aber nicht identisch. Änderungen an einer öffentlichen Form bedeuten nicht automatisch das Ende aller Gebete und Traditionen.

Praktischer Blick: So lässt sich das Fest besser verstehen

Wer historische Aufnahmen oder Berichte betrachtet, kann auf vier Details achten:

  • Das Wasser: Wo wird gereinigt, und an welcher Stelle steht dies im Ablauf?

  • Die Gegenstände: Sind die beiden Shingi oder die kleineren Kushigo gemeint?

  • Die Wege: Geht es um Bewegung auf dem Gelände oder um das Gedränge auf dem Holzboden?

  • Die Weitergabe: Was passiert nach dem Empfang, außerhalb des auffälligsten Bildausschnitts?

Diese Fragen machen aus einem isolierten Bild eine lesbare Ritualfolge und lenken den Blick auf die Handlungen vor und nach dem öffentlich bekanntesten Moment.

Für einen geplanten Besuch sind die aktuellen Mitteilungen des Tempels und der Veranstalter maßgeblich. Frühere Webseiten nennen ausgewiesene Zuschauerbereiche und Regeln für Wege und Fotoausrüstung; sie beschreiben jedoch vergangene Durchführungen. Die Unterlagen für 2026 dürfen nicht als bestätigter Plan für 2027 übernommen werden. [21]

Auch ein Tempelbesuch außerhalb des großen Festabends kann Zusammenhänge sichtbar machen: die Haupthalle, das Fenster, der Ort der Wasserreinigung und die Schutzgestalten. Wer sich für eine religiöse Erinnerung an einen Besuch interessiert, findet im Beitrag zu Goshuin, den Tempel- und Schreininschriften den passenden Hintergrund. Welche Formen am Besuchstag ausgegeben werden, muss vor Ort geklärt werden.

Häufige Fragen zu Saidaiji Eyō

Wo findet Saidaiji Eyō statt?

Am Saidaiji Kannon-in im Osten der Stadt Okayama. Der gleichnamige Saidaiji in Nara ist ein anderer Tempel.

Sind die Teilnehmer tatsächlich nackt?

Sie tragen weiße Lendenschurze und weiße Tabi. „Nacktfest“ ist die verbreitete Bezeichnung für diese stark reduzierte rituelle Bekleidung.

Was sind die Shingi?

Zwei rituell vorbereitete Holzamulette, die mit Gōō-Papiertalismanen verbunden sind. Sie bilden den Mittelpunkt des überlieferten Ringens um den erbetenen Segen.

Ist das Fest buddhistisch oder shintōistisch?

Sein institutioneller und liturgischer Rahmen ist buddhistisch: Saidaiji gehört zur Kōyasan-Shingon-Tradition, und das Eyō schließt die Shushō-e ab. Örtliche Schutzgestalten zeigen zugleich die historische Verbindung buddhistischer und kami-bezogener Vorstellungen.

Wann wird Saidaiji Eyō gefeiert?

Der reguläre Termin ist der dritte Samstag im Februar. Nach den Unfällen 2026 muss die konkrete Durchführung für 2027 anhand aktueller Veranstaltermitteilungen geprüft werden.

Können Frauen teilnehmen?

Am überlieferten Shingi-Ringen der Männer nicht. Frauen wirken jedoch in anderen Teilen mit, etwa bei den Taiko, Wasserreinigungen und dem eigenen Vorabendfest.

Ist Saidaiji Eyō 2027 abgesagt?

Stand 4. Oktober 2026 liegt eine Meldung über die geplante Aussetzung des Shingi-Wettkampfs vor. Sie bestätigt weder eine endgültige Entscheidung noch eine Absage aller religiösen Zeremonien. Der aktuellste Veranstalterbeschluss bleibt maßgeblich.

Abschluss

Saidaiji Eyō erschließt sich aus mehr als dem Moment, in dem zwei kleine Holzamulette in einer großen Menschenmenge verschwinden. Davor liegen Materialgewinnung, Handwerk und Gebete; danach Prüfung, Weitergabe und weitere Formen des gemeinschaftlichen Empfangs.

Gerade diese Folge macht das Fest verständlich. Körper, Gegenstand und Gemeinschaft erhalten ihre Bedeutung durch Handlungen. Der genaue Blick auf sie lässt eine religiöse Tradition sichtbar werden, deren öffentliche Durchführung sich verändert und deren Fortsetzung heute auch Fragen der Sicherheit einschließt.