Aki no Nanakusa 秋の七草: Die sieben Herbstpflanzen in Japans Kunst und Handwerk
Aki no Nanakusa erklärt: Japans sieben Herbstpflanzen erkennen und ihre Motive auf Obi, Lackarbeiten und Keramik mit Museumsbeispielen verstehen.
KUNSTHANDWERK
Yuki Nagashino und Seiko Begert
10/6/202612 min lesen


Aki no Nanakusa 秋の七草: Die sieben Herbstpflanzen in Japans Kunst und Handwerk
Ein geschwungener Grashalm auf schwarzem Lack, kleine Blüten zwischen den Fäden eines Obi, eine sternförmige Blume neben einem Mond: Solche Motive lassen sich genauer betrachten, wenn man die Pflanzen kennt, auf die sie anspielen.
Aki no Nanakusa 秋の七草 sind die sieben klassischen Herbstpflanzen Japans: Hagi, Susuki, Kuzu, Nadeshiko, Ominaeshi, Fujibakama und Kikyō. Ihre Zusammenstellung wird mit zwei Gedichten von Yamanoue no Okura im Man’yōshū verbunden. Im Vordergrund steht das Betrachten ihrer Blüten und Formen. Auf Textilien, Lackarbeiten und Keramik können sie eine Jahreszeit anklingen lassen, ohne dass das Objekt alle sieben Pflanzen zeigen muss. [1][2]
Für das Lesen japanischer Vintage-Stücke ist diese Pflanzenkunde hilfreich. Sie ergänzt die allgemeinere Frage, wie sich Motive auf Obi im kulturellen Kontext verstehen lassen: Welche Form ist tatsächlich zu sehen, welche Verbindung ist gut belegt und welche Deutung bleibt eine Möglichkeit?
Was bedeutet Aki no Nanakusa?
Aki 秋 bedeutet Herbst, nana 七 sieben und kusa 草 Gras oder krautige Pflanze. Die gebräuchliche deutsche Übersetzung „sieben Herbstkräuter“ kann jedoch irreführen. Zur Gruppe gehören ein Gras, eine Kletterpflanze und Hagi-Sträucher. „Sieben Herbstpflanzen“ ist deshalb für das Verständnis der Motive die passendere Bezeichnung.
Japanischer NameSchreibweiseVerständliche EinordnungWichtigster Hinweis im MotivHagi萩Buschklee, Pflanzen der Gattung LespedezaKleine Schmetterlingsblüten und dreiteilige BlätterSusuki, auch Obana薄・芒; 尾花Chinaschilf, Miscanthus sinensisLange schmale Blätter und aufgefächerte RispenKuzu葛Kudzu, eine kräftige KletterpflanzeGroße dreiteilige Blätter und aufrechte BlütentraubenNadeshiko撫子Hier gewöhnlich Kawara-nadeshiko, eine WildnelkeTief gefranste BlütenblätterOminaeshi女郎花Patrinia scabiosifoliaViele winzige gelbe Blüten in verzweigten GruppenFujibakama藤袴Eine Eupatorium-StaudeDichte, fein wirkende Blütenstände in hellem Rosa bis ViolettKikyō桔梗Ballonblume, Platycodon grandiflorusFünfzackige Blüten und aufgeblähte Knospen
Diese Merkmale sind eine Orientierung. Ein gewebtes oder gemaltes Motiv vereinfacht die lebende Pflanze; die Tabelle ersetzt daher keine Bestimmung des einzelnen Gegenstands. Die folgenden Porträts erklären die Unterschiede genauer.
Herbstpflanzen und Frühlingskräuter sind zwei verschiedene Gruppen
Die sieben Frühlingskräuter, Haru no Nanakusa 春の七草, sind vor allem durch den Kräuterreisbrei Nanakusa-gayu bekannt. Bei den Herbstpflanzen steht die Betrachtung im Mittelpunkt. Daraus folgt allerdings nicht, dass alle sieben grundsätzlich ungenießbar wären. Aus Kuzu-Wurzeln wird beispielsweise Stärke gewonnen. Der Unterschied betrifft den kulturellen Zusammenhang der beiden Gruppen, keine allgemeine Aussage über ihre Essbarkeit. [2][10]
Zwei Gedichte im Man’yōshū und eine offene Namensfrage
Die literarische Bezugstelle liegt im achten Buch des Man’yōshū 万葉集, einer Gedichtsammlung aus dem 8. Jahrhundert. In den Gedichten 1537 und 1538 zählt Yamanoue no Okura 山上憶良 die Blumen des herbstlichen Feldes. Sinngemäß beschreibt das erste Gedicht, wie sich beim Abzählen an den Fingern sieben Arten ergeben. Das zweite nennt die Pflanzen. [2][3]
Die Form ist dabei unterschiedlich: Auf ein Tanka, ein Gedicht mit fünf Versgruppen, folgt ein Sedōka mit sechs. Die beiden Texte sind also keine einzelne lange Strophe, wie es manche zusammengezogene Wiedergaben nahelegen. [2]
Warum steht im Gedicht Asagao statt Kikyō?
Okuras Aufzählung endet mit Asagao, in historischen Wiedergaben unter anderem 朝貌 oder 朝顔. Heute bezeichnet Asagao gewöhnlich eine Prunkwinde. Für diese alte Textstelle gilt jedoch die Deutung als Kikyō, also Ballonblume, als die verbreitete Erklärung. Der Literaturwissenschaftler Naoto Yoshikai erläutert, dass Pflanzennamen ihren Bezug im Lauf der Zeit verändern konnten. Auch der Makino Botanical Garden formuliert die Gleichsetzung vorsichtig als wahrscheinliche Deutung. [4][15]
Die heutige Siebenergruppe ist damit klar benennbar. Bei der historischen Pflanzenidentifikation bleibt es dennoch sinnvoll, zwischen überliefertem Wort und moderner botanischer Bezeichnung zu unterscheiden. Okuras Liste sollte nicht stillschweigend so übersetzt werden, als stünde darin bereits das Wort Kikyō.
Die sieben Herbstpflanzen erkennen
Hagi 萩: kleine Blüten, dreiteilige Blätter
Hagi bezeichnet im kulturellen Zusammenhang Buschklee. Die Bezeichnung sollte nicht ohne Weiteres auf eine einzige Art festgelegt werden. Zu den bekannten Formen gehören etwa Yama-hagi und Miyagino-hagi. Es handelt sich um Gehölze; beim Yama-hagi beschreibt der Botanische Garten Tsukuba ausdrücklich einen sommergrünen Strauch. [3][6]
Für die Betrachtung eines Motivs helfen die kleinen Schmetterlingsblüten und die Blätter aus drei Teilblättchen. Lange, sich neigende Zweige sind in Darstellungen auffällig, aber kein Pflichtmerkmal jeder Hagi-Art. Beim Miyagino-hagi sind dreiteilige Blätter und herabhängende Blütenstände dokumentiert; Yama-hagi besitzt dagegen kaum überhängende Zweige. [5][6]
Auf einem Stoff kann Hagi zunächst wie ein lockeres Muster aus winzigen Punkten wirken. Erst Blüten, Blätter und Zweigführung zusammen machen die Zuordnung belastbarer.
Susuki 薄・芒: Rispen, schmale Blätter und Obana
Susuki ist Miscanthus sinensis, auf Deutsch meist Chinaschilf genannt. Die langen, schmalen Blätter und die verzweigten Blütenrispen bestimmen seine Silhouette. Obana 尾花 ist die traditionelle Bezeichnung, die auch in Okuras Gedicht vorkommt und auf das schweifartige Aussehen des Blütenstands anspielt. [2][7]
In Kunstwerken können wenige lange Linien genügen, um ein Grasbüschel anzudeuten. Für Susuki spricht dann vor allem die Verbindung von Blattbögen und ausgebreiteten Rispen. Ein einzelner gebogener Halm bleibt weniger eindeutig.
Eine Übersetzungsfalle ist „japanisches Pampasgras“. Susuki gehört zu Miscanthus. Das gewöhnlich als Pampasgras bezeichnete Cortaderia selloana ist eine andere Pflanze mit südamerikanischer Herkunft. Ähnlich wirkende Federbüschel machen die beiden botanisch nicht identisch. [7][8]
Kuzu 葛: eine Ranke mit aufrechten Blütentrauben
Kuzu ist als Kudzu bekannt, eine kräftige Kletterpflanze. Ihre Blätter bestehen aus drei großen Teilblättchen. Die rötlich violetten Schmetterlingsblüten sitzen in aufwärts gerichteten Blütenständen. Das Naturkundemuseum der Präfektur Hyōgo hebt gerade diese Wuchsrichtung im Vergleich mit den gewöhnlich herabhängenden Blütentrauben des Blauregens hervor. [9]
Bei einem historischen Dekor lohnt es sich deshalb, über die Farbe hinauszusehen: Rankt der Stängel? Sind die Blätter groß und dreiteilig? Stehen die Blütenstände aufrecht? Eine beliebige violette Blütentraube genügt nicht für die Benennung als Kuzu.
Die Pflanze verbindet die herbstliche Motivwelt außerdem mit Gebrauchsgeschichte. Ihre Wurzeln enthalten Stärke, aus der Kuzu-Pulver gewonnen wird. Die botanische Sammlung in Tsukuba dokumentiert diese Nutzung. [10]
Nadeshiko 撫子: die gefranste Wildnelke
Mit Nadeshiko ist innerhalb der sieben Herbstpflanzen gewöhnlich Kawara-nadeshiko カワラナデシコ gemeint, Dianthus superbus var. longicalycinus. Der Makino Botanical Garden beschreibt die tief eingeschnittenen, fadenartig auslaufenden Blütenblätter und den langen Kelch. Diese Merkmale unterscheiden die Wildnelke von einer nur allgemein als Nelke erkennbaren Gartenblume. [11]
Für ein Motiv sind die feinen Fransen besonders hilfreich. In einer Stickerei können sie als kurze Strahlen erscheinen, in einer Malerei als zarte Linien. Gehen sie bei starker Vereinfachung verloren, bleibt die Bestimmung unsicherer.
Der Name bezeichnet hier eine konkrete Pflanze. Spätere gesellschaftliche Verwendungen des Wortes Nadeshiko erklären nicht automatisch die Bedeutung einer Nelke auf einem älteren Gegenstand.
Ominaeshi 女郎花: kleine gelbe Blüten in verzweigten Gruppen
Ominaeshi, Patrinia scabiosifolia, bildet zahlreiche winzige gelbe Blüten an einem verzweigten Blütenstand. Tsukuba beschreibt die Einzelblüten als nur wenige Millimeter groß. Betrachtet man die Pflanze aus einiger Entfernung, nimmt man daher eher die leichte, aus vielen Punkten zusammengesetzte Blütengruppe wahr als eine große Einzelblüte. [12]
Auf Kunsthandwerk ist die Verzweigung ein wichtiger Hinweis. Eine dichte gelbe Fläche allein kann vieles darstellen. Bei einem einfarbigen Golddekor fällt sogar die natürliche Farbe als Unterscheidungsmerkmal weg. Dann müssen die Anordnung der kleinen Blüten, die Stängel und benachbarte Pflanzen mehr Auskunft geben.
Auch die Schreibweise 女郎花 sollte nicht als ausreichender Beleg für eine feststehende Botschaft des Gegenstands behandelt werden. Pflanzenname und Motivdeutung sind zwei verschiedene Fragen.
Fujibakama 藤袴: viele kleine Blüten und eine schwierige Bestimmung
Fujibakama zeigt dichte Gruppen kleiner Blüten, meist in hellem Rosa bis Violett. Feine, aus den Blüten hervortretende Strukturen geben den Blütenständen ein weich wirkendes Aussehen. Das Wissenschaftsmuseum Toyama weist außerdem auf häufig dreigeteilte Blätter hin und grenzt die Pflanze von ähnlich aussehenden Verwandten ab. [13][14]
Die Schwierigkeit beginnt bereits bei lebenden Pflanzen. Der Makino Botanical Garden unterscheidet Fujibakama, dort als Eupatorium japonicum geführt, von einer ebenfalls unter diesem Namen verbreiteten Gartenform, Kobano-fujibakama. Für ein stark stilisiertes Muster ist eine genaue botanische Benennung deshalb besonders anspruchsvoll. [13]
Das Schriftzeichen 藤 im Namen macht Fujibakama nicht zu Blauregen. Eine hängende Wisteria-Traube und der aufrechte, verzweigte Blütenstand dieser Staude haben sehr unterschiedliche Formen.
Kikyō 桔梗: Ballonknospen und fünf Blütenspitzen
Kikyō ist die Ballonblume, Platycodon grandiflorus. Ihre noch geschlossenen Knospen wirken aufgeblasen; geöffnet zeigt die Blüte fünf deutlich erkennbare Spitzen. Häufig ist sie blauviolett, doch es gibt auch helle und weiße Formen. Eine fehlende violette Farbe schließt Kikyō daher nicht aus. [4][15]
Besonders überzeugend wird ein Kikyō-Motiv, wenn offene Blüten und ballonartige Knospen zusammen dargestellt sind. Eine einzelne fünfteilige Rosette kann dagegen auch ein stark vereinfachtes Blumenornament sein.
Kikyō erscheint zudem in der Wappenkunst. Bei einer streng symmetrischen Blütenform muss deshalb geprüft werden, ob ein Kamon, ein japanisches Familienzeichen, vorliegt. Ein solches Zeichen erfüllt eine andere Funktion als eine naturalistische Pflanze im Herbstfeld. [4]
Herbst, Dichtung und Vergänglichkeit
Die sieben Pflanzen bringen unterschiedliche Formen zusammen: einen Strauch, aufragendes Gras, eine Ranke und mehrere Blütenstauden. Für einen Künstler bietet diese Auswahl ein Repertoire aus Bögen, kleinen Blüten, Sternformen und feinen Verzweigungen. Ein Herbstfeld lässt sich dadurch mit sehr wenigen Elementen darstellen.
Der Herbstbezug ist kulturell überliefert und nicht auf einen einzigen heutigen Kalendermonat begrenzt. Einige der Pflanzen blühen bereits im Sommer. Der Makino Botanical Garden nennt etwa für Kikyō eine lange Blütezeit; bei Kawara-nadeshiko betont er die Unterschiede zwischen Region, Individuum und Kulturbedingungen. „Herbstpflanze“ bedeutet also nicht „blüht ausschließlich im Herbst“. [11][15]
Warum Susuki so oft neben einem Mond erscheint
Beim Mondschauen, Tsukimi 月見, werden unter anderem Susuki und runde Reisklößchen vorbereitet. Die Japan Foundation erläutert den Brauch im Zusammenhang mit dem Herbstmond und dem Dank für die Ernte. Der traditionelle Termin bezieht sich auf den alten Kalender. Es handelt sich folglich nicht um einen unveränderlichen Tag unseres heutigen Kalenders. [16]
Auf einem Gegenstand verstärken Mond und Susuki gemeinsam den Herbstbezug. Diese Kombination lässt sich auch neben Setsu-Getsu-Ka 雪月花, dem Dreiklang aus Schnee, Mond und Blüte, betrachten. Die sieben Herbstpflanzen sind jedoch eine eigene Gruppe und keine Unterliste dieses Dreiklangs.
Vergänglichkeit ist eine mögliche Lesart
Blühende Pflanzen können Fülle zeigen; trocknende Halme und sich neigende Zweige können dagegen das Vergehen der Jahreszeit nahelegen. Das Metropolitan Museum beschreibt bei Herbstpflanzen ausdrücklich sowohl die bewegte Fülle im Wind als auch die melancholische Wirkung des Verwelkens. [17]
Für das einzelne Stück bleibt dies eine mögliche Lesart. Ein vitales Blumenmuster, eine poetische Anspielung und ein ornamentales Feld können ganz unterschiedlich wirken. Die Benennung einer Pflanze beweist noch keine bestimmte philosophische Aussage des Künstlers oder Besitzers.
Vier Museumsobjekte: Herbstpflanzen auf Kunst und Gebrauchsgegenständen
Die folgenden Beispiele stammen aus der Sammlung des Metropolitan Museum of Art. Sie belegen unterschiedliche Materialien und Gestaltungsweisen. Ihre Inventarnummern ermöglichen den direkten Vergleich mit den Museumseinträgen und Abbildungen.
Malerei: ein Stellschirmpaar mit Herbstgräsern
Das Paar Autumn Grasses aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besteht aus zwei sechsteiligen Stellschirmen mit Tusche und Farbe auf vergoldetem Papier. Die Inventarnummern lauten 1972.180.1 und 1972.180.2. Das Museum bringt die Arbeit vorsichtig mit einem Maler der Hasegawa-Schule in Verbindung; eine gesicherte Zuschreibung an Hasegawa Tōhaku selbst ergibt sich daraus nicht. [17]
Hier wird das Pflanzenmotiv Teil des Raums. Wiederkehrende Büschel, gebogene Halme und freie Flächen gliedern die große Bildfläche. Für die Betrachtung ist neben der einzelnen Blüte auch dieser Rhythmus wichtig: Die Pflanzen bilden eine Landschaft, keine botanische Lehrtafel.
Textil: Herbstpflanzen auf Kosode-Fragmenten
Die Pieces from a Robe (Kosode) with Autumn Grasses, erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, tragen die Inventarnummer 2001.428.26a–c. Das Museum benennt Kikyō, Hagi und Susuki im Muster. Die Seide wurde unter anderem mit durch Nähen sowie Paste erzeugten Färbereserven gestaltet und bemalt. [18]
Die vereinfachten Pflanzen stehen auf einem Grund aus großen Dreiecksformen. Damit zeigt das Textil, wie erkennbares Pflanzenmotiv und flächige Gestaltung zusammenarbeiten. Die Einordnung als Kōrin-moyō, als Muster im Stil der sogenannten Kōrin-Designs, bedeutet dabei nicht, dass Ogata Kōrin persönlich diese Stoffstücke hergestellt hätte. [18]
Für einen Obi ist diese Unterscheidung ebenfalls hilfreich: Ein Stilname erklärt die Formensprache, aber noch keine individuelle Urheberschaft.
Lackkunst: Herbstblumen auf einem Ständer
Der Stand with Autumn Grasses and Flowers, erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, ist als 2015.300.291 inventarisiert. Der Holzkörper trägt goldene Hira-maki-e-Dekoration und E-nashiji. Diese Technikangaben beschreiben den Aufbau der Oberfläche; die pflanzlichen Motive sind eine zweite Ebene der Betrachtung. Der Beitrag zu Maki-e, der japanischen Lackdekoration mit Metallpulver, erläutert die handwerklichen Begriffe. [19]
Das Museum nennt unter anderem Chrysanthemen, Gras und Kikyō. Chrysanthemen gehören nicht zu den sieben Herbstpflanzen. Dieses Objekt macht daher einen wichtigen Unterschied sichtbar: Akikusa 秋草, Herbstpflanzen oder Herbstgräser als Bildthema, ist weiter gefasst als Aki no Nanakusa, die bestimmte Gruppe aus sieben Pflanzen. [19]
Keramik: Mond und Herbstpflanzen auf einer Teeschale
Die Tea Bowl with Design of Moon and Autumn Grasses von Eiraku Hōzen 永樂保全 entstand um 1825. Die Kyō-Keramik mit Craqueléglasur, Emailfarben und Gold hat die Inventarnummer 29.100.635. Der Museumstitel benennt die Verbindung von Mond und Herbstpflanzen, ohne damit eine vollständige Darstellung der sieben Arten zu behaupten. [20]
Eine Teeschale bringt ein solches Motiv in einen anderen Maßstab als der Stellschirm. Die Rundung des Gefäßes bestimmt, welche Partien auf einmal sichtbar sind. Es lohnt sich deshalb, die verschiedenen Ansichten im Museumseintrag zu vergleichen. Die Gebrauchsfunktion einer Chawan erklärt der Überblick über Chadōgu, die Geräte der japanischen Teezeremonie.
Warum ein Blumenmotiv nicht automatisch eine Jahreszeit festlegt
Ein Herbstbezug kann gut begründet sein. Trotzdem beantwortet er nicht alle Fragen nach einem Gegenstand. Vier Unterschiede sind besonders wichtig.
Eine Pflanze kann stark vereinfacht sein
In einem Gewebe, einer kleinen Goldlinie oder einem wiederkehrenden Ornament fehlen häufig Blätter, Knospen und natürliche Farben. Gerade diese Merkmale würden die Bestimmung erleichtern. Eine sternartige Blüte darf deshalb zunächst als solche beschrieben werden, bevor man sie sicher Kikyō nennt.
Herbstpflanzen sind mehr als die sieben
Chrysanthemen und herbstliches Ahornlaub gehören zur weiteren Herbstbildwelt, aber nicht in die Siebenerliste. Umgekehrt genügt eine Auswahl aus Hagi, Susuki und Kikyō, um Herbstpflanzen darzustellen. Ein Museumstitel wie „Herbstgräser“ fordert keine Vollständigkeit von sieben Arten.
Mehrere Jahreszeiten können nebeneinander vorkommen
Ein Dekor kann Pflanzen unterschiedlicher Jahreszeiten verbinden. Es kann ebenso Wappen, glückverheißende Zeichen und Naturmotive kombinieren. Welche Ebene überwiegt, muss aus dem gesamten Muster erschlossen werden. Eine einzelne Blüte liefert dafür selten die vollständige Antwort.
Die Bildjahreszeit ist nicht zwingend die Gebrauchszeit
Ein besonders klares Gegenbeispiel dokumentiert die National Gallery of Victoria: Ein Katabira furisode, ein Sommerkimono aus dem frühen bis mittleren 19. Jahrhundert, zeigt eine Schneelandschaft. Das dargestellte Winterbild und die Verwendung als Sommerkleidung fallen hier auseinander. [21]
Bei Textilien gehören daher auch Material, Futter, Form und Anlass zur Einordnung. Bei einem Teegerät kommt die konkrete Zusammenstellung hinzu. Aus einem Herbstmotiv allein lässt sich weder eine lückenlose Tragevorschrift noch ein allgemein verbindlicher Nutzungsmonat ableiten.
Praxis: Herbstmotive auf Vintage-Stücken genauer beschreiben
Wer ein älteres Stück betrachtet, kann mit einer einfachen Reihenfolge arbeiten: zuerst die sichtbaren Formen, danach die Pflanzennamen und schließlich den möglichen kulturellen Zusammenhang. So bleibt die Beschreibung auch dann brauchbar, wenn die Bestimmung offen ist.
Das ganze Motiv ansehen
Bei einem Obi sollte nicht nur ein einzelner Musterausschnitt beurteilt werden. Eine zweite Partie kann Blätter oder Knospen enthalten, die im ersten Ausschnitt fehlen. Bei einem Gefäß sind Deckel, Seitenflächen und Innenpartien gegebenenfalls Teil derselben Komposition.
Eine Natsume, die Teedose für den Gebrauch in der Teezeremonie, eignet sich als Beispiel für diese Betrachtungsweise: Ein Gras kann über die Rundung des Körpers laufen, während auf dem Deckel ein weiteres Element steht. Daraus darf man allerdings nur dann ein gemeinsames Motiv ableiten, wenn beide Teile tatsächlich zusammengehören.
Mehrere Merkmale zusammenführen
BeobachtungMögliche EinordnungWie sicher ist die Aussage?Fünfzackige offene Blüten zusammen mit ballonartigen KnospenKikyōGut begründbar, wenn die Details erkennbar sindSchmale Blattbögen und fächerartige RispenSusukiNaheliegend; andere stilisierte Gräser mitprüfenKleine Schmetterlingsblüten an Zweigen mit dreiteiligen BlätternHagiNaheliegend; eine genaue Art meist nicht bestimmbarRanke, große dreiteilige Blätter und aufrechte BlütentraubenKuzuDurch die Merkmalskombination gut begründbarEine einzelne fünfteilige Rosette ohne Blätter oder KnospenBlumenornament; möglicherweise Kikyō oder ein WappenmotivOffen; keine sichere PflanzenbestimmungViele kleine Blütenpunkte ohne charakteristische BlätterVerzweigter BlütenstandOminaeshi und Fujibakama nicht vorschnell festlegen
Diese Abstufung ist eine praktische Betrachtungshilfe, kein standardisiertes Gutachtenverfahren. Sie trennt eine Beschreibung dessen, was sichtbar ist, von einer Benennung, die zusätzliche Belege braucht.
Motiv, Material und Herkunft getrennt beurteilen
Goldfarbene Herbstgräser beweisen keine bestimmte Lacktechnik. Ein Pflanzenmotiv sagt auch nichts Sicheres über das Alter oder den Herstellungsort. Für eine Lackarbeit muss zunächst geklärt werden, wie die Oberfläche aufgebaut ist; dabei hilft die Einführung zu Urushi, dem Material der japanischen Lackkunst.
Für eine sachliche Beschreibung sind Formulierungen wie „Grasrispen und fünfteilige Blüten; herbstliche Motivgruppe, Kikyō wahrscheinlich“ oft genauer als eine behauptete vollständige Siebenergruppe. Eine lesbare Beschriftung oder ein vergleichbares Museumsobjekt kann die Zuordnung stützen. Es bleibt trotzdem zu prüfen, ob der Vergleich tatsächlich dieselben Merkmale zeigt.
Für Kasumiya liegt darin der konkrete Nutzen des Themas: Bei Vintage-Textilien, Keramik und Lackgegenständen lässt sich erklären, welche Details eine Motivbenennung tragen. Wo sie fehlen, ist eine offene Beschreibung ebenfalls eine wertvolle Information.
FAQ
Welche Pflanzen gehören zu Aki no Nanakusa?
Hagi, Susuki beziehungsweise Obana, Kuzu, Nadeshiko, Ominaeshi, Fujibakama und Kikyō. Sie bilden die klassische Gruppe der sieben Herbstpflanzen Japans.
Sind die sieben Herbstpflanzen dasselbe wie die sieben Frühlingskräuter?
Nein. Die Frühlingskräuter sind eine andere Gruppe und insbesondere mit Nanakusa-gayu verbunden. Bei den Herbstpflanzen steht das Betrachten im Vordergrund. Das bedeutet nicht, dass jede von ihnen grundsätzlich ungenießbar wäre.
Was bedeutet Susuki in japanischen Herbstmotiven?
Susuki bezeichnet Chinaschilf, Miscanthus sinensis. Seine Rispen gehören zur klassischen Herbstbildwelt. Zusammen mit einem Mond kann es auf das herbstliche Mondschauen verweisen. Die Bedeutung hängt dennoch vom gesamten Motiv ab.
Warum wird Okuras Asagao als Kikyō verstanden?
Historische Pflanzennamen lassen sich nicht immer unmittelbar auf heutige Namen übertragen. Für Asagao in Okuras Aufzählung ist die Deutung als Ballonblume verbreitet. Die heutige Bedeutung als Prunkwinde sollte deshalb nicht ungeprüft in die alte Textstelle eingesetzt werden.
Gehören Chrysanthemen und Ahorn zu den sieben Herbstpflanzen?
Nein. Beide können zur weiteren Herbstbildwelt gehören. Sie sind aber keine Bestandteile der festgelegten Siebenergruppe. Ein Herbstdekor mit Chrysanthemen ist deshalb noch keine Darstellung von Aki no Nanakusa.
Müssen auf einem Kunstwerk alle sieben Pflanzen erscheinen?
Nein. Ein Objekt kann einzelne Pflanzen oder eine Auswahl zeigen. „Herbstpflanzen“ beziehungsweise Akikusa ist eine weitere Motivbezeichnung als die vollständige Gruppe der sieben Herbstpflanzen.
Kann ich einen Obi mit Herbstpflanzen ausschließlich im Herbst verwenden?
Das Motiv allein reicht für eine solche Aussage nicht aus. Pflanzenkombination, Material, Ausführung, Anlass und die jeweilige Kleidungspraxis müssen gemeinsam betrachtet werden. Eine herbstliche Darstellung ist ein Hinweis, keine vollständige Gebrauchsanweisung.
Abschluss
Die sieben Herbstpflanzen geben uns Namen für Formen, die auf japanischen Gegenständen leicht übersehen werden: für eine kleine Schmetterlingsblüte, eine aufgeblähte Knospe oder die Verzweigung einer Grasrispe.
Wer diese Unterschiede kennt, kann ein Muster genauer lesen. Zugleich wird sichtbar, was seine Form offenlässt. Zwischen der lebenden Pflanze, ihrer poetischen Überlieferung und dem handwerklich gestalteten Motiv liegt Raum für Auswahl und Vereinfachung. Gerade dort beginnt die sorgfältige Betrachtung eines einzelnen Stücks.